INFO
AUSSTELLUNGEN PUBLIKATIONEN
archives otto muehl startseite
KOMMUNE FILM
AKTIONISMUS MALEREI
  • 1925

    Geboren am 16. Juni 1925 in Grodnau – Oberschützen (Burgenland, Österreich).
    Vater: Otto Mühl, Volksschullehrer in Grodnau und Gols, Chorleiter.
    Mutter: Wilhelmine Mühl, eine äusserst vitale Frau.

    otto muehl
  • 1936

    Realgymnasium Oberschützen, Burgenland.

    otto muehl
  • 1943

    Mit 18 Jahren zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, danach Offiziersausbildung.

  • 1944

    2 Monate Frontbewährung – traumatische Erlebnisse v.a. in der Ardennenoffensive. Weg aus dem Sumpf. Vater und Bruder im Krieg gefallen.

    otto muehl
  • 1945

    Gefangennahme seiner Einheit bei Prag durch sowjetische Armee – Flucht gelingt durch Verstecken im Kofferraum eines zerstörten Fahrzeuges.

  • 1946

    Abitur Realschule Wiener Neustadt.
    Tanzkurs – platonische Liebe zu Ria.
    2 Semester Jurastudium – Universität Wien.

  • 1947

    Studium in Deutsch und Geschichte – Universität Wien.

  • 1951

    Beziehung mit Lotte (Charlotte Lender) bis 1957, Geburt einer Tochter.

    otto muehl
  • 1952

    Lehramtsprüfung in Deutsch und Geschichte – Universität Wien.
    Probejahr am Gymnasium Waltergasse in Wien, 4. Bezirk.
    Studium der Kunstpädagogik an der Akademie der bildenden Künste Wien.

  • 1953 – 1957

    Studium bei Prof. Gerda Mateijka–Felden – Akademie der bildenden Künste, Wien. Morphologische Vorlesungen bei Heimo Kuchling (Assistent von Wotruba) in analytischer Proportions– und Kompositionslehre.
    Mitstudenten: Erika Stocker, Adolf (Adi) Frohner, Niederbacher, Otto Jungwirth, Walter Pichl.

  • 1954

    Landschaftmalerei.
    Analytische Methodenforschung nach van Gogh, Cezanne, Juan Gris, Picasso, Gauguin, Matisse.

  • 1958 – 1964

    Zeichentherapeut im JRC Kinderheim und Institut für Erziehungshilfe Wien XIV Hadersdorf – Weidlingau, Vorderhainbach 16, psychoanalytisch von Eva Rosenfeld (Schülerin von Sigmund Freud) geführt.

    otto muehl
  • 1959

    Psychoanalyse bei Josef Dvorak.

  • 1960

    Erste Einzelausstellung "Malerei" in der Galerie Junge Generation in Wien.
    Bekanntschaft mit Günter Brus und Alfons Schilling.
    Entdeckung des Tachismus.
    Materialbilder.

  • 1961

    Muehl löst sich in der Malerei von der Figuration und beginnt, die Leinwand aufzuschlitzen und Objekte einzuarbeiten, die sog. Zerstörung des Tafelbildes, was er als seinen aktionistischen Urknall bezeichnet. Er beginnt, an Gerümpelskulpturen zu arbeiten. Bekanntschaft mit Hermann Nitsch.

    otto muehl
  • 1961 – 1970

    Korrespondenz mit Erika Stocker, tagebuchartige Berichte aus der Zeit des Aktionismus, "Briefe an Erika".

  • 1962

    Anmietung des Perinetkellers, Muehl lässt sich mit Nitsch und Frohner im Perinetkeller für 3 Tage einmauern, Ausmauerung durch das Publikum. Im Zuge der Ausstellung entsteht das gemeinsame Manifest "Die Blutorgel", in dem er grundsätzliche Gedanken zur Entwicklung seiner performativen und materialorientierten Kunst unter Einschluss des menschlichen Körpers formuliert.

  • 1963

    Im Juni findet das "Fest des psycho–physischen Naturalismus" in Muehls Atelier statt. Es handelt sich um die erste öffentliche Veranstaltung des Wiener Aktionismus. Programm: Sturz einer mit Marmelade und Weizenmehl gefüllten Küchenkredenz auf die Straße. Die Aktion wird von der Polizei abgebrochen. Strafe 14 Tage Arrest. Im selben Jahr zeigt er im privaten Kreis seine erste, "Versumpfung einer Venus" betitelte Aktion.

    otto muehl: versumpfung einer venus…
  • 1963 – 1973

    realisiert er eine Vielzahl privater und öffentlicher Aktionen, deren fotografische Dokumentation in den meisten Fällen der Pressefotograf Ludwig Hoffenreich übernimmt.

    otto muehl
  • 1964

    Heirat mit Friedel Neiss.

  • 1964 – 1967

    arbeitet Muehl, zum Teil unter Verwendung von Fotos seiner Aktionen, an mehreren Collagen.

    otto muehl

    mein junge soll ein krüppel werden 1964
    33x50cm collage

  • 1966

    Das Jahr ist von einer intensiven Zusammenarbeit mit Günter Brus geprägt. Gemeinsam gründen sie das "Institut für Direkte Kunst". Muehl bekommt eine Einladung von Gustav Metzger zum Destruction in Art Symposium DIAS nach London. Dieser bittet ihn, evtl. noch Gleichgesinnte vorzuschlagen. Nach London reisen Otto Muehl, Hermann Nitsch, Kurt Kren und Peter Weibel.

  • 1967

    Muehl initiiert mit dem Dichter und Philosophen Oswald Wiener unter dem Begriff "ZOCK" eine Plattform für agitativ–öffentliche Aktionen. Eine in dieser Zeit unter der Bezeichnung "Persönlichkeiten" entstehende Gruppe von Malereien und Siebdrucken ist eng verbunden mit den manifestartigen Texten, die Muehl in Zusammenhang mit ZOCK verfasst.

  • 1968

    Es kommt an der Universität Wien im Rahmen der Veranstaltung "Kunst und Revolution" zu einem Skandal, als dessen Folge Otto Muehl verhaftet wird und für zwei Monate in Untersuchungshaft muss.

  • 1967 – 1970

    entstehen programmatischer Texte, in denen Muehl sich radikal gesellschaftskritisch äußert.

  • 1970

    Scheidung und Gründung der Kommune Praterstraße, später AAO (Aktions Analytische Organisation), Wien.
    Er nimmt an der von Harald Szeemann kuratierten Ausstellung "Happening und Fluxus" in Köln teil.

  • 1970 – 1971

    arbeitet er unter der Bezeichnung "12 Aktionen" an einer weiteren Bildgruppe, die auch als Siebdruckedition aufgelegt wird.

    otto muehl: 12 aktionen…
  • 1972

    Beteiligung an der von Harald Szeeman kuratierten Dokumenta V, Fridericianum in Kassel.
    Ankauf des Friedrichshofes im Burgenland, in der Nähe von Neusiedel am See.
    Entwicklung des Projektes Friedrichshof. Freie Sexualität, Gemeinschaftseigentum, gemeinsames Aufziehen der Kinder und die Weiterentwicklung der künstlerischen Aktion zur Aktionsanalyse und in der Folge zur analytischen Selbstdarstellung sind Grundstrukturen der Kommune.

  • 1973

    Muehl führt an der Ohio State University in Columbus seine letzte öffentliche Aktion durch.
    Er beendet die öffentlichen Aktionen und geht von der Idee aus, dass das Leben ein Kunstwerk ist. Tanz–, Trance– und Materialaktionen vor Publikum finden bei den Selbstdarstellungsabenden in der expandierenden Aktions–Analytischen Kommune (AA–Kommune) am Friedrichshof statt.

    otto muehl
    foto: philippe dutartre
  • 1975 – 1991

    entsteht eine große Anzahl von Malereien, Guachen, Aquarellen und Zeichnungen. In verschiedenen Werkphasen variiert er Themen (z.B. van Gogh Paraphrasen oder Unfälle im Haushalt) und Malstile, die auch in Zusammenhang mit in der Kommune realisierten Filmprojekten stehen (Vincent, Pablo, Back to fucking Cambridge und andere).
    Muehl sieht Inhalt und Zweck seiner Kunstproduktion ausschließlich im Zusammenhang mit seinem Leben in der Sozialutopie der Kommune und stellt seine Arbeiten nicht außerhalb der Kommune aus.

    otto muehlotto muehlotto muehl
  • 1987

    Die Kommune, am Höhepunkt bis auf 700 Menschen angewachsen, nun gut organisiert, erreicht einen ökonomischen Auftrieb, was zuletzt auch zum Konflikt führt. Die Kommune erwirbt ein weitläufiges Gelände auf der kanarischen Insel Gomera. Muehl lebt und arbeitet den Großteil des Jahres in seinem Atelier in "El Cabrito".

  • 1988

    Heirat mit Claudia weissensteiner.

  • 1991

    Nach 21 Jahren Bestand löst sich die Kommune Friedrichshof auf. Wie eine Gruppe mit freier Sexualität und Gemeinschaftseigentum organisiert sein müßte, um ein Leben anbieten zu können, das besser ist als die Zweierbeziehungsorganisation der Familie, darüber gibt es praktisch keine Erfahrung.
    Um das Zusammenleben konfliktfrei gestalten zu können, sollte die Anzahl der Mitglieder einer Gesellschaft auf ein familiäres Maß beschränkt bleiben, damit die Kommunikation noch im direkten Kontakt möglich ist. Das Milieu, das Bildungsniveau der Eltern bestimmen das Verhalten der nächsten Generation und sind entscheidende Faktoren für soziale und sexuelle Kommunikation.

    Otto Muehl wird von einem österreichischen Landesgericht wegen "strafbaren Handlungen gegen die Sittlichkeit" und verstosses gegen das Suchtgiftgesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hat das Urteil nicht anerkannt.

  • 1997

    Die Hälfte bzw. das Drittel der Strafe wurde Muehl nicht erlassen, obwohl es ihm zugestanden wäre. Durch eine allgemeine Amnestie wird er am 17.12.1997 nach 6 1/2 Jahren mit Parkinsonkrankheit und auf einem Auge erblindet aus der Haft entlassen.

    otto muehl
  • 1998

    Februar
    Burgtheater Wien, auf Einladung von Claus Peymann, als Leser seiner "Briefe aus dem Gefängnis 1991 – 1997", (Ritter Verlag, Klagenfurt) und als Autor und Schauspieler seines Dramoletts "Muchl".

    März
    MAK Museum für angewandte Kunst Wien, Muehl "7", eine Retrospektive der Gefängnisarbeiten. Die Skandale der Aufführung "Muchl" und der Ausstellung Muehl "7" im MAK werden in der österreichischen Presse ausgiebig kommentiert.

    Juni
    "Wiener Secession 1898 – 1998 – Das Jahrhundert der künstlerischen Freiheit". Es kommt zu einem Farbanschlag auf die aus 9 Leinwänden bestehende, politische Bildcollage "Keinen Keks Heute" und in Folge zu einem gerichtlichen Ausstellungsverbot dieses Werkes in österreich.

    Muehl lebt seit seiner Haftentlassung in der ArtLife Family in der Algarve in Südportugal, gemeinsam mit 7 Künstlerfamilien, deren Jugendliche er zu Blues- und Jazzmusik inspiriert. Gründung der Band "Art & Life Sahara Baby Jazz Band".
    Er malt portugiesische Landschaften und arbeitet an Siebdruckserien. Es entstehen Bilder des "psychischen Strukturalismus", Figuren aus amorphen Farbflächen.

    otto muehl
  • 2000

    Musée du Louvre Paris. Beteiligung an der von Regis Michel kuratierten Ausstellung "Posséder et détruire".

  • 2001/02

    Musée du Louvre Paris
    Otto Muehl nimmt an der von Regis Michel kuratierten Ausstellung "La peinture comme crime" teil.

  • 2001

    In der Malerei entwickelt sich das Thema "Haifisch".
    Die Krankenversicherung verweigert eine Implantage. Otto Muehl bekommt ein Pensionistengebiss, dieses entwickelt sich zu einem kreativen Faszinosum, das ihn zu aktionistischen Grimuiddarstellungen anregt.

    otto muehl
  • 2002

    Beginn der Computermalerei und der electric painting Aktionen und Filme.

  • 2001 – 2005

    In den Jahren der "Haifischmalerei" beschäftigt sich Muehl mit Mondrian, der formal als Gegenpol der radikalen aktionistischen Materialdestruktion gesehen werden könnte.

  • 2004

    MAK Museum für angewandte Kunst Wien
    Retrospektive "Leben / Kunst / Werk Aktion Utopie Malerei 1960 – 2004"

    National Museum of Modern Art Tokyo und Kioto
    "TRACES – Body and Idea in Contemporary Art"

  • 2005

    Trotz Einschränkung der Beweglichkeit durch das Fortschreiten der Parkinsonkrankheit entwickeln sich electric painting Filme, die seinen Alltag, sein Alter, seine Krankheit und sein Leben in der ArtLifeFamily thematisieren.
    Angeregt durch die Computermalerei wird die Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand aufgetragen, das führt zu den exzess–art Objekten.

    Kulturstiftung Phoenix Art Sammlung Falckenberg, Hamburg: "Otto Muehl. Jenseits von Zucht und Ordnung". Eröffnung der Ausstellung an otto muehls 80. geburtstag am 16. Juni 2005.

    Die michele maccarone art gallery in new york wird otto muehls galerie.

  • 2006

    "landscape in your mind"
    malerei
    austrian cultural forum new york city

    "körper gesicht seele"
    frauenbilder vom 16. bis ins 21. jahrhundert
    leopold museum wien österreich

    "eye on europe"
    prints, books & multiples / 1960 to now
    MoMA the museum of modern art new york

  • 2007

    "konzept. aktion. sprache."
    fokus 03: wiener gruppe, wiener aktionismus, fluxus und konzeptkunst aus der sammlung
    mumok — museum moderner kunst stiftung ludwig wien

  • 2008

    "accionismo vienés"
    brus · muehl · nitsch · schwarzkogler
    werke aus der sammlung hummel
    centro andaluz de arte contemporáneo
    sevilla spanien

  • 2009

    "mapping the studio"
    artists from the françois pinault collection
    malerei
    punta della dogana — palazzo grassi
    venedig

  • 2010

    otto muehl wird 85 jahre alt.

    filmpremiere:
     "becoming otto"
     vincent juillerat
    präsentation:
     "apokalypse / keinen keks heute"
     acryl auf leinwand mit collage von otto muehl, 1998/2010
    mak museum für angewandte kunst wien

    "otto muehl" aus der sammlung leopold
    malerei
    leopold museum wien

  • 26.05.2013

    Otto Muehl ist im Kreis der "Art Life Family" in Portugal friedlich gestorben.

-----------------------------------------------

© archives otto muehl