| 1925 Otto Muehl kommt am 16. Juni 1925 in Grodnau (Burgenland) zur Welt. Der Vater ein beliebter, angesehener, aber auch strenger Volksschullehrer, die Mutter eine äußerst vitale Frau. | ![]() |
| 1936 Besuch des Realgymnasiums Oberschützen, Burgenland. | ![]() |
| 1940 Er wird nach Kriegsausbruch zum Landdienst in der Steiermark eingezogen. | ![]() |
| 1943 Muehl wird zuerst zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zur Deutschen Wehrmacht abkommandiert, dort meldet er sich für eine Offiziersausbildung, um den Krieg in einer Kaserne überdauern zu können. Er wird zum Leutnant befördert und nimmt unter anderem an der Ardennenoffensive teil. | ![]() |
| 1945 Seine Einheit wird in die Nähe von Prag verlegt. Nach Kriegsende gelingt ihm die Flucht vor der sowjetischen Armee. Er wandert zu Fuß bis an die Donau und arbeitet vorübergehend bei einem Bauern in Oberösterreich, bis er die Demarkationslinie überschreiten kann. |
| 1952 Er schließt ein Studium in Deutsch und Geschichte an der Universität Wien mit der Lehramtsprüfung ab. Anschließend absolviert er ein Probejahr an einer Realschule im 4. Bezirk in Wien. | ![]() |
| 1953 Beginn des Studiums der Kunstpädagogik. Er inskribiert sich bei Prof. Gerda Mateijka–Felden an der Akademie der bildenden Künste, hört künstlerisch prägnante Vorlesungen bei dem Wotruba–Assistenten Heimo Kuchling, der eine streng analytische Proportions– und Kompositionslehre unterrichtet. |
| 1954 – 1963 arbeitet Muehl als Zeichenlehrer und –therapeut in einem Heim für emotionell geschädigte Kinder unter der Leitung von Eva Rosenfeld. Die aus Brünn stammende Psychoanalytikerin und Pädagogin, Schülerin von Sigmund Freud, gründete gemeinsam mit Anna Freud 1927 die von Adolf Loos eingerichtete "Hietzinger Schule" mit liberalem Projektunterricht. | ![]() |
| 1960 Es findet seine erste Einzelausstellung statt und er trifft Günter Brus und Alfons Schilling. |
| 1961 Muehl löst sich in der Malerei von der Figuration und beginnt, die Leinwand aufzuschlitzen und Objekte einzuarbeiten, die sog. Zerstörung des Tafelbildes, was er als seinen aktionistischen Urknall bezeichnet. Er beginnt, an Gerümpelskulpturen zu arbeiten. Bekanntschaft mit Hermann Nitsch. | ![]() |
| 1961 – 1970 Korrespondenz mit Erika Stocker, tagebuchartige Berichte aus der Zeit des Aktionismus, "Briefe an Erika". |
| 1962 Anmietung des Perinetkellers, Muehl lässt sich mit Nitsch und Frohner im Perinetkeller für 3 Tage einmauern, Ausmauerung durch das Publikum. Im Zuge der Ausstellung entsteht das gemeinsame Manifest "Die Blutorgel", in dem er grundsätzliche Gedanken zur Entwicklung seiner performativen und materialorientierten Kunst unter Einschluss des menschlichen Körpers formuliert. |
| 1963 Im Juni findet das "Fest des psycho–physischen Naturalismus" in Muehls Atelier statt. Es handelt sich um die erste öffentliche Veranstaltung des Wiener Aktionismus. Programm: Sturz einer mit Marmelade und Weizenmehl gefüllten Küchenkredenz auf die Straße. Die Aktion wird von der Polizei abgebrochen. Strafe 14 Tage Arrest. Im selben Jahr zeigt er im privaten Kreis seine erste, "Versumpfung einer Venus" betitelte Aktion. | ![]() |
| 1963 – 1973 realisiert er eine Vielzahl privater und öffentlicher Aktionen, deren fotografische Dokumentation in den meisten Fällen der Pressefotograf Ludwig Hoffenreich übernimmt. | ![]() |
| 1964 Heirat mit Friedel Neiss. |
| 1964 – 1967 arbeitet Muehl, zum Teil unter Verwendung von Fotos seiner Aktionen, an mehreren Collagen. | ![]() |
| 1966 Das Jahr ist von einer intensiven Zusammenarbeit mit Günter Brus geprägt. Gemeinsam gründen sie das "Institut für Direkte Kunst". Muehl bekommt eine Einladung von Gustav Metzger zum Destruction in Art Symposium DIAS nach London. Dieser bittet ihn, evtl. noch Gleichgesinnte vorzuschlagen. Nach London reisen Otto Muehl, Hermann Nitsch, Kurt Kren und Peter Weibel. |
| 1967 Muehl initiiert mit dem Dichter und Philosophen Oswald Wiener unter dem Begriff ZOCK eine Plattform für agitativ–öffentliche Aktionen. Eine in dieser Zeit unter der Bezeichnung "Persönlichkeiten" entstehende Gruppe von Malereien und Siebdrucken ist eng verbunden mit den manifestartigen Texten, die Muehl in Zusammenhang mit ZOCK verfasst. |
| 1968 Es kommt an der Universität Wien im Rahmen der Veranstaltung "Kunst und Revolution" zu einem Skandal, als dessen Folge Otto Muehl verhaftet wird und für zwei Monate in Untersuchungshaft muss. |
| 1967 – 1970 entstehen programmatischer Texte, in denen Muehl sich radikal gesellschaftskritisch äußert. |
| 1970 Scheidung und Gründung der Kommune Praterstraße, später AAO (Aktions Analytische Organisation), Wien. |
| 1970 – 1971 arbeitet er unter der Bezeichnung "12 Aktionen" an einer weiteren Bildgruppe, die auch als Siebdruckedition aufgelegt wird. | ![]() |
| 1972 Beteiligung an der von Harald Szeeman kuratierten Dokumenta V, Fridericianum in Kassel. |
| 1973 Muehl führt an der Ohio State University in Columbus seine letzte öffentliche Aktion durch. | ![]() |
| 1975 – 1991 entsteht eine große Anzahl von Malereien, Guachen, Aquarellen und Zeichnungen. In verschiedenen Werkphasen variiert er Themen (z.B. van Gogh Paraphrasen oder Unfälle im Haushalt) und Malstile, die auch in Zusammenhang mit in der Kommune realisierten Filmprojekten stehen (Vincent, Pablo, Back to fucking Cambridge und andere). |
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| 1987 Die Kommune, am Höhepunkt bis auf 700 Menschen angewachsen, nun gut organisiert, erreicht einen ökonomischen Auftrieb, was zuletzt auch zum Konflikt führt. Die Kommune erwirbt ein weitläufiges Gelände auf der kanarischen Insel Gomera. Muehl lebt und arbeitet den Großteil des Jahres in seinem Atelier in "El Cabrito". |
| 1988 Heirat mit Claudia weissensteiner. |
| 1991 Nach 21 Jahren Bestand löst sich die Kommune Friedrichshof auf. Wie eine Gruppe mit freier Sexualität und Gemeinschaftseigentum organisiert sein müßte, um ein Leben anbieten zu können, das besser ist als die Zweierbeziehungsorganisation der Familie, darüber gibt es praktisch keine Erfahrung. |
| 1997 Die Hälfte bzw. das Drittel der Strafe wurde Muehl nicht erlassen, obwohl es ihm zugestanden wäre. Durch eine allgemeine Amnestie wird er am 17.12.1997 nach 6 1/2 Jahren mit Parkinsonkrankheit und auf einem Auge erblindet aus der Haft entlassen. | ![]() |
| 1998 Februar | ![]() |
| 2000 Musée du Louvre Paris. Beteiligung an der von Regis Michel kuratierten Ausstellung "Posséder et détruire". |
| 2001/02 Musée du Louvre Paris |
| 2001 In der Malerei entwickelt sich das Thema "Haifisch". | ![]() |
| 2002 Beginn der Computermalerei und der electric painting Aktionen und Filme. |
| 2001 – 2005 In den Jahren der "Haifischmalerei" beschäftigt sich Muehl mit Mondrian, der formal als Gegenpol der radikalen aktionistischen Materialdestruktion gesehen werden könnte. |
| 2004 MAK Museum für angewandte Kunst Wien |
| 2005 Trotz Einschränkung der Beweglichkeit durch das Fortschreiten der Parkinsonkrankheit entwickeln sich electric painting Filme, die seinen Alltag, sein Alter, seine Krankheit und sein Leben in der ArtLifeFamily thematisieren. |
© archives otto muehl