otto muehl
von der kommune, die zum schluss 350 leute zählte, sind 13 erwachsene geblieben, die trotz allem weitermachen, die nicht aufgegeben haben.
wir haben österreich verlassen und gründeten im süden portugals in der algarve mit 13 erwachsenen, 12 kindern und jugendlichen die neue gruppe.
wir wählten den namen ARTLIFE.
wir haben aus den fehlern der vergangenheit gelernt.
wir betrachten uns als eine familie, die sich ganz der kunst widmet: malerei, musik, gesang, philosophie, literatur, film, tanz.
unsere jugendlichen gründeten die "artlife sahara baby jazz band", eine band, die inzwischen aufsehen erregt wegen ihrer professionalität und ihrem starken ausdruck.
wir beabsichtigen nicht, uns zu vergrößern.
der familiäre rahmen muß erhalten bleiben.
jede größere gemeinschaft führt automatisch zur unterdrückung des einzelnen.
der staat leidet an seiner größe.
es geht nicht ohne strafen.
gefängnisse, hinrichtungen, geschriebene gesetze sind voraussetzung für seine existenz...
ich bin mir keiner schuld bewußt.
ich habe fehler gemacht, ich habe keine schuld auf mich geladen.
ich bin vor allem kein verbrecher und keiner, der unter dem schutzmantel der kunst abnorme sexualpraktiken versteckt.
in der österreichischen kunstgeschichte wird die behandlung, die mir widerfuhr, kein ruhmesblatt sein.
ich will mich hier weder verteidigen noch jemanden anklagen.
was wirklich los war, wird sich mit der zeit von selbst ergeben.
© archives otto muehl
text aus "kunst und aktionismus" des ausstellungskatalogs
| otto muehl leben / kunst / werk aktion utopie malerei 1960 – 2004 peter noever verlag walther könig köln 2004 |